Der vernetzte Blick. Videoaufzeichnung, Überwachung und Beweissicherung im Zeitalter der Spanner-Brillen
If connected glasses were first presented by manufacturers as tools of productivity or hands-free entertainment, the concrete uses that are made of them reveal much more complex dynamics. Based on a qualitative interview methodology, this report proposes to analyse the social reception of these devices and to understand to what extent they function as both ethical revealers and markers of social differentiation. This sociological research shows that, on the one hand, connected glasses reactivate the panoptic imagination, becoming instruments of interpersonal surveillances, anticipation of deviance and the daily administration of evidence. On the other hand, their cognitive and practical mastery is profoundly unequal, illustrating socio-digital discrepancies and highlighting power relations between the ‘observer’ and the ‘observed’, even though we observe that the two positions increasingly tend to be linked.
Wurden vernetzte Brillen von den Herstellern ursprünglich als Werkzeuge zur Steigerung der Produktivität oder für freihändige Unterhaltung präsentiert, so offenbaren ihre konkreten Verwendungszwecke eine weitaus komplexere Dynamik. Auf der Grundlage einer qualitativen Interviewmethodik zielt dieser Bericht darauf ab, die gesellschaftliche Rezeption dieser Geräte zu analysieren und zu verstehen, inwieweit sie sowohl als ethische Indikatoren als auch als Marker sozialer Differenzierung fungieren. Diese soziologische Untersuchung zeigt, dass vernetzte Brillen einerseits die panoptische Vorstellung wiederbeleben und so zu Instrumenten der zwischenmenschlichen Überwachung, der Vorwegnahme von Abweichungen und der täglichen Verwaltung von Beweismitteln werden. Andererseits ist ihre kognitive und praktische Beherrschung äusserst ungleich verteilt, was sozio-digitale Diskrepanzen verdeutlicht und Machtverhältnisse zwischen dem «Beobachter» und dem «Beobachteten» hervorhebt, auch wenn wir feststellen, dass diese beiden Positionen zunehmend miteinander verknüpft sind.