Die Einkreisung
Die zentrale Bruchstelle für die Türkei liegt nicht im Osten, sondern im Westen. Die Europäische Union hat die Türkei jahrzehntelang am Rand gehalten. Ursula von der Leyen hat in den vergangenen Tagen unmissverständlich erklärt, Europa müsse sich gegen “russischen, chinesischen oder türkischen Einfluss” durch interne Bündnisse absichern. Damit ist die Tür zu Brüssel nicht nur geschlossen - sie ist als Bedrohungsperimeter definiert. Eine Türkei, die diese Tür endgültig hinter sich zumacht, hat aber Optionen, die andere Staaten nicht haben. Sie kontrolliert über die Montreux-Konvention den Bosporus und damit den Schiffsverkehr zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer. Sie ist die Schnittstelle zwischen Europa, Nahem Osten, Kaukasus und Zentralasien. Sie hat die zweitgrößte NATO-Armee mit über vierhundertachtzigtausend aktiven Soldaten und einer Rüstungsindustrie, die 2024 Exporte von 7,1 Milliarden Dollar erzielte. Eine Türkei, die sich von der NATO löst, schwächt damit nicht nur sich selbst - sie schwächt auch die NATO. Genau das ist der Grund, warum die Allianz strukturell instabil wird, sobald eine ihrer beiden größten Armeen die Bündnislogik in Frage stellt.