Das eingepferchte Geschlecht

Ein Passus im Wehrpflichtgesetz besagt, dass junge Männer den Staat für längere Auslandsreisen um Erlaubnis bitten müssen — Boris Pistorius lässt Betroffene zwar vorerst in Ruhe, zeigt ihnen aber schon mal die Folterwerkzeuge.
„Sie brauchen gar keine Angst haben, ich sag‘ ja jetzt nicht ‚Fass!‘“ So versucht Hundebesitzer Gerhard Polt seinen Freund in Gegenwart eines furchteinflößenden Tieres zu beruhigen. Dann aber fügt er mit hämischer Stimme hinzu: „Aber ich könnte ‚Fass!‘ sagen …“ Ähnlich geht Kriegstüchtigkeitsminister Boris Pistorius derzeit mit jüngeren Männern um. „Keine Angst, ich befehle Ihnen jetzt nicht, sich vor längeren Auslandsreisen bei der Bundeswehr abzumelden — aber ich könnte es Ihnen befehlen.“ Es ist eine Drohung, ein Katz-und-Maus-Spiel und die ultimative Machtdemonstration — selbst, wenn diese zunächst nicht voll ausgespielt wird. Der Minister erzeugte mit einem in der Presse am 4. April 2026 bekannt gewordenen Passus aus dem neuen Wehrpflichtgesetz maximale Unruhe bei vielen Bürgern, die sich plötzlich als das erkannten, was sie eigentlich immer schon waren: Verfügungsmasse „ihres“ Staates. Vor Auslandsreisen, die länger als drei Monate dauern, müssen Männer zwischen 17 und 45 Jahren eine Genehmigung bei einer Behörde mit dem unfreiwillig komischen Namen „Karrierecenter“ einholen. Was nicht dazu gesagt wurde: Männer, die sich mustern und innerhalb der Grenzen Deutschlands festsetzen lassen, könnten sich, statt das Karrieretreppchen zu erklimmen, am Ende 180 Zentimeter unter der Erde wiederfinden: als Kriegstote. Angesichts des derzeitigen Desinteresses der Bundesregierung am Frieden ist das Szenario gar nicht so weit hergeholt. Später hieß es dann, die Sache mit dem Gesetz werde nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wurde. Aber fast jeder Deutsche weiß ja aus schmerzhafter Erfahrung: Wer sich auf Versprechungen der Regierung von Friedrich Merz verlässt, ist verlassen.