Die neue Bücherverbrennung
Wir haben in der Coronazeit ein sehr interessantes Phänomen beobachten dürfen. Plötzlich haben genau jene Personengruppen, welche sich die Political Correctness auf die Fahnen geschrieben haben, im gleichen Moment, als sie die FFP2-Maske aufgesetzt haben, plötzlich die Moral-Maske fallen lassen. Während sonst die deutsche Sprache mit abenteuerlichsten Regelungen drangsaliert wird, um nur ja keine Person in irgendeiner Form zu diskriminieren, hatte man plötzlich keine Hemmungen, die von der Propaganda als Feindbild markierte Gruppe mit unflätigsten Ausdrücken zu überziehen, diese durch pseudowissenschaftlich legitimierte Hygienemaßnahmen (mit teilweise gelben!) Bändern zu markieren und vom öffentlichen Leben auszuschließen, und sogar eigene Lager für diese „Volksschädlinge“ zu fordern. Die damit verbundene Geisteshaltung war nicht nur die Basis für eine gesellschaftliche Spaltung, sondern auch die Grundlage für eine ausgesprochen diskussionswürdige Rolle der Justiz, welche in der verfassungsmäßigen Anerkennung der sogenannten „Impfpflicht“ gipfelte.
Mindestens ebenso bemerkenswert erscheinen aber auch die Reaktionen auf die Dokumentationen dieser unsäglichen Verbalentgleisungen, welche genügend Material für die wissenschaftliche Analyse mehrerer Generationen von Psychologen, Kommunikations- und Propagandaspezialisten und Historikern liefern. Angesichts der Publikation von „Ich habe mitgemacht“ sprach Sarah Bosetti (die von einigen Zeitgenossen auch als Blinddarmspezialistin bezeichnet wird) von einer Feindesliste.1 Ganz ähnlich erging es einem Twitter-User, der eine solche Zusammenstellung veröffentlichte. Seine Publikation von 25 einschlägigen Aussagen (überwiegend solche öffentlich bekannter Personen) landete sogar vor Gericht, weil dem Kompilator die Erstellung einer Feindesliste vorgeworfen wird.2 Das bedeutet: Juristisch verfolgt werden nicht jene, welche geradezu unfassbare Aussagen tätigen und ihre Mitmenschen mit Kampfbegriffen (Covidiot, Volksverräter, Schwurbler, Antisemit, Rechtsextremer, Verschwörungstheoretiker etc.) für den gesellschaftlichen Abschuss markieren, sondern jene, welche genau diese Äußerungen dokumentieren. Und auch hier spielt die Justiz wiederum eine ausgesprochen kritisch zu betrachtende Rolle.