«Liebe Süddeutsche Zeitung»
Eure Homepage war 15 Jahre lang meine Startseite.
Heute lösche ich sie.
Nicht wegen X.
Wegen euch.
Ich war früher ein treuer Leser von euch. Eure digitalen Angebote waren früh maßgebend. Ich habe als Student eure Artikel verschlungen, die Feuilletons waren großartig, die Recherchen stark, die Aufmachung genial.
Eure Homepage ist bis heute meine Startseite im Browser. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr warum. Irgendwann hat sich etwas verändert.
Jede Schlagzeile, die ich lese, spiegelt das exakte Gegenteil der Realität wider. Egal ob Trump, AfD, Grüne, Letzte Generation, Migrationspolitik, Gendern, FDP, CDU oder SPD.
Es geht nicht darum, ob man links oder rechts steht. Es geht darum, dass ihr aufgehört habt, die Welt zu beschreiben, und angefangen habt, sie zu erziehen.
Fridays for Future war bei euch Heldenepos, Bauernproteste waren Demokratiegefährdung. Habeck wurde porträtiert wie ein Philosoph auf der Regierungsbank, Lindner wie ein Saboteur. Jede Migrationsdebatte war automatisch rechts, jede Genderkritik automatisch rückständig.
Dazu diese Pseudo-Überheblichkeit in der Sprache. Als ob der Leser zu dumm wäre, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Ihr geht nicht wegen der “Verrohung der Plattform.” Ihr geht, weil ihr hier zum ersten Mal ungefilterte Antworten bekommt. Und das haltet ihr nicht aus.
Sprache soll verbinden. Journalismus soll einordnen. Nicht belehren. Eine Linksavantgarde kann genauso spalten wie alles andere.
Nur dass sie es mit dem Gefühl tut, auf der richtigen Seite zu stehen.
Ich lösche jetzt meine Startseite.
(via @FernetBuehler)