Geheuchelte Fürsorge
Anonymität im Netz und der notwendige Schutz der Jugend vor Social Media schließen einander nicht aus — dennoch soll unter diesem Deckmantel die Regulierung des Internetzugangs vorangetrieben werden, um Meinungsfreiheit zu beschränken.
Social Media für Kinder ist zum neuen Zankapfel geworden. Kein Wunder, denn dass Instagram und Co bei Jugendlichen großen Schaden anrichten, wissen inzwischen wohl die meisten. Doch bei dem, was die Politiker und Mainstream-Journalisten fordern, geht es nicht darum, Kinder zu schützen. Sie wollen sich selbst schützen: vor unliebsamer freier Meinungsäußerung. Niemand soll mehr ungestraft die schönen Narrative in ZDF und Konsorten stören können. Wie praktisch wäre es für Politiker, wenn alle Menschen sich mit einem Personalausweis identifizieren müssten, bevor sie Social Media nutzen können! Und plötzlich findet sich die Vernunft in einer schwierigen Ecke: Will man Kinder schützen, soll man der Registrierung aller Internetnutzer mit Ausweis zustimmen. Will man das nicht, will man die armen Kinder den (a)sozialen Medien zum Fraß vorwerfen. Dabei sind das einfach falsche Alternativen. Man könnte problemlos den Verkauf oder die Überlassung von Smartphones an unter Sechzehnjährige verbieten, fertig. Tastentelefone oder Jugend-Phones wie in Südkorea einführen, wo man zwar ein Navi drauf hat und ein paar Lern-Apps, aber keinen freien Internetzugang. Nur: Dem werden unsere Politiker niemals zustimmen. Denn sie wollen Überwachung und nicht Kinderschutz. Die Kinder sollen die iPhones in die Hände bekommen, allein damit sich künftig alle Erwachsenen registrieren müssen.