Vier Staatsanwaltschaften jagen „Reichsbürger“ Paul Brandenburg
Polizisten, Richter und Staatsanwälte in ganz Deutschland scheinen in heller Aufregung wegen des Online-Archivs https://staatsterroristen.de. Das zeigt nun die Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft Berlin (Az. 238 Js 1748/25). Von Kiel bis Schweinfurt, über Düsseldorf bis nach Berlin schreiben sich Funktionäre aus allen Bereichen des Verfolgungsapparats Nachrichten. Sie teilen sich ihre „Erkenntnisse“ über das Archiv und Paul Brandenburg als Betreiber mit und fragen sich gegenseitig nach „weiteren Vorgängen“ bei anderen Behörden. Leitendes Motiv der Beamten: Paul Brandenburg sei ein „bekannter Reichsbürger“ und das Online-Archiv „Staatsterroristen“ sei „Ausdruck seiner Reichsbürgerideologie“. So behauptet es im Wortlaut die Berliner Staatsanwältin Riewerts in einem „Vermerk“ vom 23. Oktober 2025. Dass diese Behauptung jeglicher Grundlage entbehrt, dürfte der Staatsanwältin klar sein.
Ausgelöst wurden die Aufregung offenbar durch die Denunziationsmail einer „Anabella Hansen“. Sie hatte im April letzten Jahres mehrere Abteilungen der Kriminalpolizei Kiel angeschrieben. Ausgerechnet der Kriminalkommissar mit dem passenden Namen Nikolai Verführt führte dort die ersten Ermittlungen. Pikant ist diese Personalie, weil Nikolai Verführt selbst schon als Täter im Archiv „staatsterroristen.de“ aufgeführt ist. Er hatte bereits in der Vergangenheit eine Frau wegen Regimekritik mit Polizeiterror verfolgt. Dass Kommissar Verführt über seine Präsenz im Täterarchiv angefasst war, zeigt die Ermittlungsakte deutlich. Wie seine Jagdgefährtin in Berlin konstruiert auch der Kommissar sich seinen „Fall“ zurecht. Der „Täter“ Paul Brandenburg sei „bereits vielfach“ verurteilt wegen ähnlicher Delikte, lügt Kommissar Verführt. Wie Staatsanwältin Riewerts dürfte auch dem Kommissar klar sein, dass seine Behauptung hanebüchen ist. Es existiert bisher nicht eine einzige rechtskräftige Verurteilung.
Wie groß die Aufregung unter den Rechtsbeugern in Roben und Uniformen sein muss, zeigt der enorme Kreis der Beteiligten. Wohl um abzuschätzen, wie groß das Publikum ist, das die Namen der Staatsterroristen über das Archiv zur Kenntnis nimmt, betrieben ungewöhnliche Stellen eigene Ermittlungen. Ein Richter namens Torben Kriegesmann vom Landgericht Kiel („Zentrale Onlinereaktion“) recherchierte ausweislich der Ermittlungsakte höchstpersönlich und hielt per Brief an seine Kollegen fest: „In Ausgabe 186 des Podcasts Nacktes Niveau wurde das Archiv ebenfalls erwähnt.“ Dem aufgeregten Landrichter ging es dabei augenscheinlich um seinen Kollegen aus Eckernförde, einen dortigen Amtsrichter namens Witte. Dessen Name ist seit April letzten Jahres ebenfalls im Täterarchiv dokumentiert. Landrichter Kriegesmann hielt über ihn fest: „Witt wird (im Podcast) nicht namentlich genannt, dafür einige andere“, außerdem gebe es im „Nackten Niveau“ des Weiteren „Aufrufe, andere zu nennen“ sowie „Vergleiche mit ‚Nazis‘ und SED-Schergen“. Zumindest diese Feststellungen in der Ermittlungsakte entsprechen ausnahmsweise der Wahrheit. Inzwischen hat ein alter Bekannter auch diese „Ermittlung“ gegen Paul Brandenburg übernommen: Staatsanwalt Johannes Ploog von der „Zentralstelle Hasskriminalität“ in Berlin. Ploog ist in mindestens zwei weiteren Fällen ebenfalls als Ankläger gegen mich tätig. Der Fall der „Feindesliste“ dürfte ihn unter besonderen Druck setzen. Oberstaatsanwältin Simon aus dem bayerischen Schweinfurt erkundigte sich zuletzt im Dezember 2025 schriftlich bei Ploog nach dem „aktuellen Verfahrensstand“.
(via Paul Brandenburg)