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“Zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat.” (Rosa Luxemburg)

Deshalb drückt der Bund bei der E-ID aufs Tempo: Einführung von zensiertem Kindernet in der Schweiz geplantAm Ende des Tages

Applaus ohne Hände

Titelbild

Wer jetzt richtig Kohle machen will, der investiert in Applaussimulations-Applikationen: Die haben nämlich Hand und Fuß. Anders als die, die diese App brauchen werden.

In Deutschlands bedeutenden Fernsehstudios wird im Moment dann besonders leidenschaftlich in die Hände geklatscht, wenn sich dort jemand findet, der von der neuen deutschen und europäischen Stärke spricht: von Verteidigungsfähigkeit und Kriegsbereitschaft, Sondervermögen für die Wehr und Milliarden für die Rüstung. Wer sich dort erdreistet, an diesem Weg zu zweifeln, dem ist jedoch kein Applaus beschieden. Denn wir sind in dieser Gesellschaft wieder so weit, dass man Zweifel als Schwäche auslegt — ein Katzensprung ist es nur noch bis dorthin, wo Zaudern und Skepsis Defätismus bedeuten und Vaterlandsverrat sowieso. In diesen Momenten klatschenden Überschwanges in Deutschlands politischen Talkshows geht ein Gespenst um im Studio: das Gespenst der Versehrtheit. Die Zeiten der Gleichmacherei, die der Frieden wenigstens in puncto Vollzähligkeit der Extremitäten darstellt, werden dann als endgültig passé beschrien. Zwei Arme oder zwei Beine zu haben, sei schließlich nicht alles — die Freiheit koste was: und seien es Glieder. Die Claqueure dürfen den Augenblick wohlig warmer Handinnenflächen nochmals genießen. Es kann ja sein, dass sie das nicht mehr lange vermögen, dieses Applaudieren voller Dünkel und Selbstherrlichkeit.

Die Glosse gibt's hier.