Eine einfache Wahrheit: wer sagt, die Wissenschaft erfordert folgende Handlung, lügt immer
In wissenschaftstheoretischer Fachsprache formuliert
Wissenschaft liefert immer nur deskriptive Aussage, nie normative.
Die wissenschaftliche Methode ist die der ergebnisoffenen, systematischen Analyse dessen, was ist. Das haben alle Wissenschaften gemein, sonst sind sie keine: es gilt für die Naturwissenschaft, die mittels Empirie ihre Analysen pflegt, wie auch für die Geisteswissenschaft, die ihre Analysen nicht immer einfach empirisch testen kann – aber da, wo sie es kann, unbedingt muss.
Für alle Wissenschaft gilt der Primat der Empirie: wenn eine Analyse zum Ergebnis hat, was offensichtlich nicht der Fall ist, ist die Analyse zu verwerfen und durch eine bessere zu ersetzen. Dabei ist unerheblich, welcher Wissenschaftstheorie man folgt. Es ist unerheblich, ob man versucht, Thesen und Theorien zu belegen oder zu widerlegen. Was nicht mit der Empirie übereinstimmt, muss auf den Prüfstand.
In umgangssprachlichem Klartext
Wissenschaft kümmert sich immer ausschliesslich darum, was der Fall ist. Sie kann nie sagen, was stattdessen sein sollte. Und deshalb kann sie immer nur informieren, was vorliegt, und nie sagen, was man machen soll. Sie kann schon deshalb nicht sagen, was man machen soll, weil sie nicht sagen kann, was statt dem, was vorliegt, eigentlich sein sollte. Und weil sie das schon nicht kann, kann sie erst recht nicht sagen, was man machen soll, um dahin zu kommen.
Was ist dann für eine Situation, in der scheinbar Wissenschaftler sagen, was man gegen Corona, gegen die Klimaerwärmung etc. tun soll?
Alle diese öffentlichen Auftritte sind Betrug. Es gibt eine Ausnahme, wenn nämlich ein Wissenschaftler sagt, ich bin auch Bürger, und ich vertrete folgende Meinung, was man tun sollte, weil ich finde, wir müssen folgendes verbessern. Dann argumentiert diese Person eben gerade nicht als Wissenschaftler, sondern als Bürger wie alle anderen Bürger auch. Tritt die Person jedoch als Wissenschaftler auf, und erklärt, ihre Forderungen seien Ergebnisse der Wissenschaft, belügt diese Person dreist alle anderen, denn jeder Wissenschaftler lernt so viel Wissenschaftstheorie und Methodik im Studium, dass sie bzw. er weiss, dass Wissenschaft immer ergebnisoffen, systematisch-analytisch arbeiten muss.
Vor Wissenschaftlern, die diese Abgrenzung nicht machen, ist zu warnen; sie vertreten sicher keine Wissenschaft. Es ist sicher kein Zufall, wie viele dieser “Experten” interessanterweise auch für sie fachfremd argumentieren und Forderungen stellen, die Fächer betreffen, von denen sie wenig verstehen oder sogar keinen blassen Dunst haben.
Die “Experten”, ihre dreisten Lügen und ihre Inkompetenz
Man findet nicht wenige Virologen, die über Pandemien sprechen – ein Fach, von dem sie nichts verstehen. Denn Pandemien sind Gegenstand der Epidemiologie und keinesfalls der Virologie. Ein Virologe kann, falls er auch Epidemiologe ist, auch etwas von Pandemien verstehen – aber nur, weil er auch epidemiologisch arbeitet, und eben gerade nicht als Virologe. Journalisten, die Virologen zu epidemiologischen Sachverhalten befragen, sind also inkompetent oder böswillige Lügner, denn die Aufgabe von Journalisten ist es gerade, solche Zuständigkeiten und Kompetenzen zu recherchieren, bevor sie berichten.
Es gibt keine absolute Wahrheit und keinen Konsens in der Wissenschaft
Und zwar gar keinen. Die Sonne drehte sich um die Erde. Das war Stand der Wissenschaft. Dann drehte sich die Erde um die Sonne, mit der Sonne im Mittelpunkt des Universums. Dann war die Sonne nur noch ein Stern, der sich um das Zentrum der Milchstrasse drehte. Schliesslich war jede Bewegung relativ zu der von anderen Körpern, also nur relativ dazu sinnvoll darzustellen.
Was momentan die meisten Wissenschaftler für wahr halten, ist ein zeitliches Phänomen. Das, was eben noch galt, kann heute widerlegt werden, und mit einem besseren Argument etwas anderes begründet werden. Dabei ist klar, dass das, was die meisten Wissenschaftler für wahr halten, immer zunächst von Einzelnen oder von einer Minderheit in Zweifel gezogen wird. Wissenschaftler sind Menschen, und so dauert es oft eine Weile, bis sich die meisten dann der neuen Erkenntnis anschliessen – und nicht selten passiert das gar nicht, sondern die Leute, die noch die vorherige Erkenntnis verteidigen, müssen erst einmal pensioniert werden und in Rente gehen, bevor Platz für neue Lehre gemacht wird.
Ein gutes Argument reicht
Eine These oder auch eine gesamte wissenschaftliche Theorie kann von einer einzigen Person mit einem einzigen richtigen und guten Argument widerlegt werden. Ob sich dem gleich alle Kollegen anschliessen, oder ob die meisten Wissenschaftler aufgrund menschlicher Schwäche das noch eine Generation lang nicht wahrhaben wollen, ist völlig unerheblich. Die These bzw. die Theorie dürfen damit als widerlegt gelten. Was die meisten darüber denken, ist wissenschaftlich gesehen nicht von Belang.
Wer diese Sichtweise nicht teilt, lehnt Wissenschaft ab, denn die genannten Punkte sind wesentlich für Wissenschaft und betreffen deren Substanz. Sie sind so in beiden gängigen grossen Wissenschaftstheorien, also sowohl im kritischen Rationalismus wie auch im (etwas selteneren) Positivismus. Will jemand daran rütteln, rüttelt er an der Wissenschaft selbst, und muss erst begründen, weshalb Wissenschaft, wie wir sie heute verstehen, schlecht sein soll – und was er denn besseres zu bieten hat.
Denn Wissenschaft funktioniert und liefert hervorragende Ergebnisse – echte Wissenschaft freilich, und nicht die dreisten Lügen, die heute oft mit der verlogenen Floskel beginnen, “die Wissenschaft sagt”, was andere zu tun haben.