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News. Journal. Whatever.

Die “Qualitätsmedien” haben uns zu Griechenland genauso verarscht wie zu allem AnderenUnd wieder ein grosser Erfolg für die Austeritätspolitik: die Staatsschulden Italiens sind in diesem Monat um weitere 30 Milliarden Euro gestiegen

Ich möchte mich an dieser Stelle mal bei den Journalisten bedanken, die immer noch brauchbare und sehr gute journalistische Arbeit machen

Es gibt einen Grund, weshalb ich das Wort “Lügenpresse” (im Gegensatz zu Spoo) nicht mag: es sind Journalisten wie beispielsweise Harald Schumann vom Tagesspiegel, Henning Steier von der NZZ, Damien Leloup von der Le Monde und auch freie Journalisten wie Detlef Borchers oder Mitarbeiter des ÖR wie Fabian Mader (um einige wenige stellvertretend für viele andere zu nennen), derentwegen ich eine solche Pauschalisierung ablehne.

Das Problem sind grösstenteils nicht die Journalisten – wenn wir mal von den in den “atlantischen” Zirkeln verkehrenden “Alphajournalisten” absehen. Das Problem sind die Zustände, die im Journalismus inzwischen vorherrschen. Denn die bestimmen die Bedingungen, unter denen qualitativ hochwertige journalistische Arbeit immer schwieriger zu leisten wird – oder immer öfter gar nicht mehr geleistet werden kann.

Die Medien werden immer konzentrierter. Die privaten Medien einschliesslich der Tageszeitungen gehören ganz wenigen Konzernen. Die Medienvielfalt ist weitgehend nur noch eine Illusion. In Deutschland ist der Monopolisierungsprozess beinahe abgeschlossen: so gut wie alles Wichtige liegt in ganz wenigen Händen von Springer bis Bertelsmann. Aber auch in der Schweiz gibt es das Problem, wie eine Studie der Universität Zürich zeigt.

Es sind aber auch die immer prekärer werdenden Verhältnisse, unter denen junge Journalisten arbeiten müssen, die eine vernünftige Berichterstattung erschweren oder sogar verunmöglichen. Auch hier ist diese extrem negative und gefährliche Entwicklung in Deutschland bereits auf einem Tiefpunkt angekommen – jedoch ist das Problem in der Schweiz ebenfalls gross.

Ein weiteres Hauptproblem ist die Gleichschaltung über Medienagenturen. Hier kommen oft gar keine Journalisten mehr zum Einsatz – solche Agenturen kaufen ihren “Content” selbst oft dort, wo er am billigsten zu haben ist. Und das sind im Zweifel die von der Industrie finanzierten PR-Agenturen. Ich habe selbst erlebt, wie bei der Vorstellung des EasyPASS-Systems am Frankfurter Flughafen nur noch die Agenturen Leute geschickt hatten, und die bestanden im Wesentlichen aus einer überforderten Praktikantin sowie Fotografen und einem Kameramann. Entsprechend war es kein Wunder, dass alle “Qualitätsmedien” denselben Text abgedruckt hatten – nicht den von der Praktikantin, übrigens. Sondern den Text, den die Herstellerfirma und das Ministerium bereits vorbereitet hatten, und ausgeteilt. Der stammte sicher von einer PR-Agentur, die ihn für diesen Zweck erstellt hat. Und so kam diese Nachricht dann gleichzeitig aus allen Kanälen.

Unter solchen Bedingungen trifft man gerade die falschen, wenn man pauschal alle Journalisten angreift. Das soll jetzt einen Joffe sicher nicht schützen. Aber es soll auch einmal hier gesagt sein, dass die Krise im Journalismus von derselben Art ist wie überall: sie entstammt der Ideologie, alles müsse immer billiger werden, und es ginge nur um den Profit.

Diese Ideologie tötet auch jede vernünftige Berichterstattung – genau so, wie sie auch die Demokratie tötet. Die beiden Dinge hängen ja nicht zuletzt eng zusammen.

Zum Thema siehe auch dieses Interview mit Harald Schumann.

publiziert Fri, 13 Mar 2015 14:24:01 +0100 #journalismus #medienkritik

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