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How The Economic Machine Works by Ray DalioIch weiss gar nicht, wie ich mit solchen Zeitungsmeldungen umgehen soll

Bundestagspräsident Lammert für mehr Medienmanipulation

In der Laudatio auf den rechtskonservativen Fernsehmoderator Claus Kleber nahm Bundestagspräsident Norbert Lammert interessanterweise zwei sich scheinbar widersprechende Positionen gleichzeitig ein, die aber letztlich doch sehr gut zusammen passen. Erstens beklagt er das System der Rundfunkgebühren, und erklärt, weshalb man es nicht mehr rechtfertigen könne:

Wenn die Medien immer weniger ihrem eigentlichen Auftrag der seriösen Information nachkämen, stelle sich zunehmend die Frage, inwieweit das System der staatlichen Rundfunkgebühren noch gerechtfertigt sei.

Es ist gerade en vouge, auf die öffentlich-rechtlichen Sender zu schimpfen. Der Grund ist so einfach wie durchsichtig: trotz allen politischen Drucks schafft es die Politik bisher nicht, kritischen und investigativen Journalismus aus ARD, ZDF & Co. zu entfernen. Dagegen findet investigativer Journalismus in deutschen Privatmedien kaum noch statt (wenn wir von der löblichen Ausnahme Harald Schumann beim Tagesspiegel absehen, aber auch Schumann benötigt die Kooperation der ÖR, in seinem Falle Arte).

Der Hebel, um hier Stimmung gegen den ÖR zu machen, sind dabei die Rundfunkgebühren. Einerseits wird kritischer Journalismus auf schlechte Sendeplätze gedrückt, andererseits wird dann scheinheilig das “mangelnde Niveau” beklagt, wenn das Rentner-Schunkeln des “Mutanten-Stadls” auf der Prime-Time bleibt. Die Anti-ÖR-Bewegung ist inwzwischen sogar in sonst linken Diskussionsplattformen wie dem Heise-Forum zur stärksten Fraktion geworden. Die dortigen Diskutanten haben keine Antwort, wenn man sie fragt, wo denn sonst überhaupt noch investigativer Journalismus stattfindet. Entsprechend unreflektiert ist das ganze, und passt denjenigen sehr gut, die keinen IJ wollen.

Auf der anderen Seite jedoch verlangt Lammert unverblümt die Manipulation der öffentlichen Meinung:

Lammert würdigte den Journalisten als einen "der auffälligsten, der meinungsbildenden und urteilsprägenden Journalisten in Deutschland". Mit seiner Art der Aufarbeitung von Themen und Sachverhalten habe Kleber sich über die Jahre eine besondere "Autorität" erarbeitet.

Lammert verwies auf ein Zitat des Moderators des "heute journals", wonach die Medien nicht nur fragen sollten, was die Leute sehen wollen: Es müsse auch darum gehen, "was sie sehen sollten".

Kleber ist nun wirklich noch nie durch investigativen Journalismus aufgefallen, sondern immer durch brave Hofberichterstattung. Den Bericht gibt's hier.

publiziert Sun, 27 Oct 2013 12:26:44 +0100 #cdu #kommentar #manipulation #medienkritik #meinungsmache

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