Professor Steinacker zu Long-Covid und Post-Vac-Patienten: „Wir müssen ihnen glauben“
Können sich Long-Covid-Symptome auch durch eine Impfung entwickeln?
Steinacker: Das sagen große wissenschaftliche Studien. Die Symptome von Post-Vac- und Long-Covid-Patienten sind nicht komplett identisch, ähneln sich aber sehr. Als die ersten Geimpften mit Beschwerden zu uns kamen, teils ohne Corona durchlebt zu haben und in der Regel nach einer Booster-Impfung, begannen wir, Entzündungsreaktionen im Blut von Erkrankten wie auch Geimpften zu untersuchen: Sie waren nicht weit voneinander entfernt. Das galt ebenso für geimpfte Patienten ohne jegliche Symptome. Das Immunsystem wird durch die sehr immunogenen Spike-Proteine von Virus oder Impfung hoch stimuliert, es kommt – genetisch bedingt – bei manchen Menschen zum Hyperimmunitätssyndrom. Das nennen wir Post-Vac-Syndrom. Kurioserweise trifft das gerade gesunde, leistungsfähige Menschen. Impfschäden weist in der Gruppe aller von Langzeitfolgen Betroffenen aber nur eine Minderheit von etwa fünf Prozent auf. In der Gruppe der Geimpften haben 0,5 bis zu einem Prozent das Syndrom entwickelt. Dennoch sind diese ebenso krank.
In absoluten Zahlen würde das bedeuten, dass in Deutschland bis zu 650.000 Menschen an einem Impfschaden leiden. Das Paul-Ehrlich-Institut nannte im Jahr 2023 eine Zahl von 1.547 Verdachtsfällen von Impfnebenwirkungen mit ähnlichen Beschwerden wie bei Long Covid. Wie ist diese enorme Diskrepanz zu erklären?
Steinacker: Das PEI hat den gesetzlichen Auftrag, Ärzten, der Politik und der Bevölkerung zuverlässige Daten über Impfnebenwirkungen zur Verfügung zu stellen. Dabei verlässt sich das PEI wohl überwiegend auf Spontanmeldungen. Andere Länder wie zum Beispiel Israel mit einem vernünftigen Meldesystem zeigen aber deutlich höhere Zahlen. Die enorme Diskrepanz zwischen den Zahlen der Betroffenen und den amtlich festgestellten Verdachtsfällen liegt wohl an erheblichen Defiziten im PEI selbst.
Das Interview gibt's hier. Deutlicher wirds nicht. Mal sehen, wie lange Prof. Steinacker seinen Job noch hat.